#WirlesenFrauen-Neujahrskalender / Katherina Ushachov

Der #WirlesenFrauen-Neujahrskalender präsentiert euch vom 1.12.2019 bis zum 6.1.2020 63 Autorinnen und ihre Werke. Lernt neue Schriftstellerinnen kennen und findet großartigen Lesestoff!

Heute bei mir: Katherina Ushachov mit ihrem Roman Stahllilie und der mechanische Löwe. Außerdem könnt ihr heute bei Eva auf Schreibtrieb ihre Märchenspinnerei-Kollegin Christina Löw treffen.

 

Ich wünsche euch einen wunderschönen dritten Advent ihr Lieben. Heute erwartet euch wieder ein fantastisches Interview von Eva und ein besondere Vorstellung von Katherinas Buch Außerdem wie immer am Ende des Interviews ein Gewinnspiel. Viel Spaß

Schreibtrieb: Liebe Katherina, danke, dass du heute dabei bist. Wir kennen uns ja schon über die Märchenspinnerei und das Nornennetz und du warst auch schon mal in meinem weihnachtlichen Interview. Umso mehr freut es mich, dass wir heute auch über #wirlesenFrauen und dein neustes Werk reden. Was bedeutet „Feminismus“ für dich?

Katherina Ushachov: Im Grunde genommen, dass Frauen den Tag retten müssen – und den Tag zu retten, ist ein tierisch undankbarer Job. Mir ist bewusst, dass Feminismus antirassistisch, intersektional, links ist und die einzige mir bekannte politische Richtung, die tatsächlich auf lange Sicht das Leben aller verbessern will. Der Kampf gegen toxische Männlichkeit, der in Frauenhass begründet ist, kann auch Männerleben retten. Der Kampf gegen Transmisogynie geht uns alle an und wenn einige weiße cis Männer Umweltschutz ablehnen, weil sie dadurch als „schwul“ wahrgenommen werden, bedeutet das, dass auch Klimaschutz und Umweltschutz ein Thema des Feminismus sind. Und Queerfeindlichkeit. Und und und …
Manchmal habe ich das Gefühl, der Feminismus ist eine riesengroße Baustelle. Und ich würde am liebsten überall gleichzeitig mit anpacken und die Welt verbessern, aber ich bin nur eine und die Probleme sind groß und vielfältig. Aber hey. Es gibt da draußen auch andere und gemeinsam machen wir die Welt zu einem besseren Ort.
Das.
(Und ich habe bestimmt noch wichtige Unterpunkte vergessen. Zu dem Thema könnte ich ganze Aufsätze schreiben.)

Schreibtrieb: Glaubst du, Frauen schreiben anders als Männer und andere?

Katherina Ushachov: Ja. Aber aus anderen Gründen, als gemeinhin angenommen. Das ist für mich eine Frage der Erziehung und der Dinge, die man erlebt. Man schreibt nun einmal anders, wenn man Diskriminierungserfahrungen im Alltag gesammelt hat, diese Erfahrungen tun was mit den Menschen.
Marginalisierte – und das sind Frauen in zahlreichen Situationen und nicht binäre Menschen in noch mehr Fällen – haben Hürden, wo ein weißer cis hetero Mann einfach drüberhopst, ohne sie zu bemerken. Und das alles tut was mit dem Schreiben.
Es färbt den Blickwinkel, es entscheidet darüber, was und wie beschrieben wird. Viele kleine Dinge, die sich dadurch ändern, dass keine Chancengleichheit herrscht.
Woran ich nicht glaube? Dass Frauen per se blumig und Männer per se blutig schreiben. Oder dass Männer für alle und Frauen für Frauen schreiben. Oder diesen ganzen anderen binären Nonsens.

Schreibtrieb: Kannst du uns das Buch einer Autorin empfehlen?

Katherina Ushachov: Aktuell lese ich das Buch Wintermaidvon Klara Bellis – eine Geschichte, die in meinen Augen sehr feministisch ist und zeigt, wie eine Frau in einer Welt, in der Frauen nicht viel gelten, sich durchschlägt und ihren Weg findet. Die Autorin hat sich dabei an realen Diskriminierungsstrukturen orientiert und viele aktuelle Bezüge eingebracht, auch wenn es sich bei Wintermaid um eine Fantasynovelle handelt.
Ich muss immer wieder pausieren, um nachzudenken und die einzelnen Stellen auf mich wirken zu lassen. Aber das Buch kann ich sehr empfehlen und freue mich schon auf Teil 2.

Schreibtrieb: Wurdest du als Frau schon einmal diskriminiert?

Katherina Ushachov: Ich weiß es nicht. Zum einen, weil ich einige Dinge nicht direkt mitbekomme (ja, meine Verkäufe als Frau, die Science-Fiction-Literatur schreibe, sind eher klein, aber ich weiß nicht, ob das tatsächlich daran liegt, dass Männer meine Cover sehen, meinen Namen lesen und die Nase rümpfen), zum anderen, weil ich nicht weiß, ob die Diskriminierung mit meinem Geschlecht oder mit meiner Herkunft zusammenhängt. Es gab Situationen, in denen ich mehrmals wiederholt habe, dass ich Bücher schreibe und als Lektorin arbeite sowie schon sehr lange in deutschsprachigen Ländern lebe – trotzdem wurde darauf bestanden, mir gutes Deutsch zu attestieren. Und sogar zugegeben, dass man bewusst nach Fehlern gesucht habe. Bitte was?
Und der dritte Punkt ist: Es gibt viele Situationen in meinem Leben, die sich einfach nur merkwürdig anfühlen. Wo ich spüre, dass etwas falsch ist und nicht so, wie es sein sollte. Aber teilweise vergehen Jahre, ehe ich in der Lage bin, sie einzuordnen und zu begreifen, was mir passiert ist. Dass ich damals diskriminiert, bedroht, belästigt wurde.

Schreibtrieb: Welches Buch verschenkst du diesen Winter?

Katherina Ushachov: Da ich nicht weiß, ob die potenziell Beschenkten hier mitlesen, nur grobe Andeutungen dazu: Es ist die Bearbeitung eines alten Stoffes aus moderner Sicht und ist tendenziell ziemlich nerdig.
Ich versuche aber gezielt, Literatur von Frauen zu verschenken, besonders von Selfpublisherinnen oder Kleinverlagsautorinnen, die mir selbst gut gefallen hat.
Und vielleicht kommt noch was dazu, das weiß ich noch nicht.

Schreibtrieb: Wir dürfen uns ja bald wieder auf neue Literatur von dir freuen. Woran schreibst du gerade?
Katherina Ushachov: An eine Adaption von „Romeo und Julia“, die den Titel „R0mEO und Julz“ tragen wird –ursprünglich hatte ich vor, dabei den Fokus auf die Gamingszeneund deren toxische Muster als Grundlagen des Konflikts zu legen, aber das ist irgendwie zu einem Nebenschauplatz geworden (vielleicht ändert es sich bei der Überarbeitung).
Die zwei haben ziemlich viele Probleme, die reale Jugendliche von heute auch haben. Dabei bemühe ich mich aber stets, die Jugendlichen nicht von ihren Problemen und ihren Hintergründen vereinnahmen zu lassen. Quinn ist nicht „der Schwarze“, sondern mag Videospiele, ist gut in der Schule, nimmt seit einigen Monaten Testosteron und ist schwarz. Julz ist nicht „die Migrantin“, auch wenn einige ihrer Probleme mit ihrem Migrationshintergrund zusammenhängen.
Und obwohl ich eigentlich etwas Lockeres schreiben wollte, ist das Buch mir um einiges ernster geraten als geplant.

Schreibtrieb: Ich höre es schon raus, du machst dir da viele Gedanken. Wie wichtig ist dir Vielfalt in deinen Geschichten?

Katherina Ushachov: Sehr wichtig, ich tue in der Hinsicht, was ich kann – mein Weg zu mehr Vielfalt in meinen Geschichten ist hierbei Herzensbildung.
Konkret gesagt: Ich folge auf Twitter möglichst verschiedenen Leuten, mit möglichst verschiedenen Hintergründen und Schicksalen. Da ich meine Figuren nicht konstruiere, sondern sie mir „zulaufen“ und ich sie dann meist so nehme, muss ich daran arbeiten, dass die Figuren, die mir „zulaufen“, diverser werden.
Das kann ich nur, indem ich mein Unterbewusstsein mit möglichst vielen verschiedenen Schicksalen sehr vieler interessanter und kluger Menschen füttere. Ich trainiere also mein Gehirn darauf, mir möglichst diverse Figuren mit möglichst verschiedenen Hintergründen zu geben.
Das klappt recht gut, ich habe schon immer recht divers geschrieben, was beispielsweise Gender und Sexualität angeht. Aber ich möchte auch verstärkt darauf achten, dass meine Figuren seltener weiß und abled sind.

Schreibtrieb: Hast du schon einmal sensitive Reading genutzt oder hast es vor?

Katherina Ushachov: Ich habe einen wunderbaren SensitivityReader für „R0mEO und Julz“ für einige Teilaspekte des Plots. Für andere Teilaspekte möchte ich noch nach einem zweiten suchen und vielleicht nach einem dritten. Mit Quinn habe ich eine Figur geschaffen, bei der ich sehr viel falsch machen kann, da ist es mir lieber, es schaut eine Person mehr darauf. Grundsätzlich finde ich das Konzept sehr gut und muss endlich daran denken, mich selbst als SR für einige Themen bei Elif zu melden.

Schreibtrieb: Wem sollte man dein Buch schenken?

Katherina Ushachov: Ich empfehle Stahllilie und der mechanische Löwe allen Fans von Cyberpunk, die eine knackige Geschichte zu schätzen wissen. Die Novelle ist auch mit sehr wenig Zeit zum Lesen flott weggelesen. Außerdem empfehle ich es Fans von Light Novels, die gerne deutschsprachige Literatur in ihrem liebsten Genre konsumieren würden, aber keine finden.

Schreibtrieb: Was ist das tollste Kompliment, das du je zu deinen Büchern bekommen hast?

Katherina Ushachov: Dass ich Denkprozesse angestoßen habe. Das war für mich einfach das Schönste, was ich je in einer Rezension gelesen habe – dass ich mit meinem Schreiben Leute dazu angeregt habe, nachzudenken, die eigenen (internalisierten) Positionen zu hinterfragen.
Denn das ist das, was ich will. Zu eigenem Nachdenken herausfordern, etwas verändern.

Schreibtrieb: Du kennst das ja schon. Am Ende wird bei mir immer assoziiert.

Sofa oder Sessel? Sofa
Stern oder Mond? Mond
Heizung oder Kamin? Heizung
Lila oder Orange? Lila
Decke oder Kissen? Decke

Schreibtrieb: Danke dir, Katherina. Lass und noch einen Blick auf dein Buch werfen.

Ein mechanischer Löwe?

Heute hat Katherina Ushachov nicht nur ihre neue Novelle Stahllilie und der mechanische Löwe dabei, sondern verlost je ein ebook Exemplar von jedem ihrer SP-Bücher und drei kleine Überraschungen. Schaut also rein und gebt bei Eva auf dem Formular an, welches der Bücher euch interessiert. Außerdem möchte sie heute wissen, von welcher Geschichte Stahllilie und der mechanische Löwe eurer Meinung nach inspiriert wurde.

Bei Katherina könnt ihr zum Buch heute eine besondere Vorstellung sehen. [https://feuerblut.com]

Klappentext

Elon erwartete, eine Frau zu sehen, die ihn an Sera erinnerte. Feingliedrig, klein, mit zarten Händen.
Er hatte sich getäuscht – das einzig Zarte an Stahllilie war die Blume in ihrem Namen.

Stahllilie ist Gladiatorin auf dem Planeten Motis und eigentlich recht zufrieden mit ihrem Leben. Als jedoch ihre Schwester unter merkwürdigen Umständen verschwindet und ausgerechnet Seras Verlobter sie um Hilfe bittet, muss sie eingreifen. Als sie begreift, was gespielt wird, ist es fast zu spät.

Eine Geschichte über Cyborgs, Wahn und Wissenschaft. Ist die Welt bereit für die Erkenntnisse, die Stahllilies Schwester ans Licht gebracht hat?

https://feuerblut.com/meine-werke/feuer-und-eis-eine-sci-fi-novelle/?fbclid=IwAR25bsIWGqt_IQw02vCemVHaA4pES7l6cp-twN-xbAZJRWWH4agGAYJrQfE – Leseprobe

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